Ein Märchen aus der Zukunft

Es war einmal in einem nicht allzu entfernten Land, da lebte ein einst großes Volk, das in den Bann dämonischer Kreaturen geraten war, die alles wirklich Menschliche hassten. Das Volk vergaß die Gesetze der Natur, die Blutsbande und die heilige Pflicht, seine eigene völkische und rassische Identität zu schützen und zu bewahren.

Natürlich entartete die Kultur dieses Volkes und die eigenen großen Künstler wurden ersetzt durch tierische Karikaturen.

Eines Tages ward ein kleiner Affe geboren. Ein Affe mit einem lebendigen, zwar affigen, gleichwohl flinken Schritt. Er wurde von einem Dresseur geschnappt, der ihm beibrachte, herum zu springen und laute Geräusche zu erzeugen.

Der Öffentlichkeit wurde dies als „Unterhaltung" verkauft. Immer und immer wieder, bis eine große Masse an Einfaltspinseln dies tatsächlich glaubte. (Wie passend, daß der größte Erfolg des Affen ein Lied über Entartete war!)

Der Dresseur entwickelte hieraus ein großes Geschäft. Er wurde reich. Der Affe durfte sogar große Geldmengen für sich behalten.

Jedoch war der arme Affe unglücklich. Er wollte menschlicher aussehen. Deshalb bezahlte er mit seinem Geld Ärzte, die ihn menschlicher aussehen lassen sollten.

Damit nicht genug.

Der Affe entwickelte eine Zuneigung für kleine Menschen. Er mochte sie sehr. Vielleicht zu sehr. Dies brachte dem Affen großen Ärger ein. Aber er war ein berühmter Unterhaltungsaffe. Und Affen kamen dortzulande in den Genuß besonderer Privilegien, weil ihre Vorfahren vor langer Zeit gezwungen worden waren, auf den Feldern als Arbeitstiere zu ackern. Deshalb schaffte es der Affe, am Ende doch noch seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen.

Dem Affen gelang es sogar, die nötigen Vorbereitungen zu treffen, die es ihm ermöglichten, seine eigenen kleinen Menschen als Haustiere zu halten, die er als Teil seiner Familie ansah.

Nebenbei entwickelte der Affe auch eine ungesunde Vorliebe für schlechte Chemikalien. Weder Gesetze noch Kosten konnten ihn davon abhalten. Es waren die Chemikalien, die dem Affen am Ende auch zum Verhängnis wurden.

Das Verblüffendste an der ganzen Sache für uns Menschen reiferen Alters ist, daß dem Affen trotz alledem seine Anhängerschaft von Kleingeistern bis zuletzt folgte. Als der Affe starb, berichteten hierüber die damals größten, von den bösen Kreaturen gesteuerten Medien und betrauerten den Affen mehr als den größten Menschen jener Zeit.

Wie die meisten Märchen, hat auch dieses seinen wahren Kern im gegenwärtigen Zeitgeschehen. Es kann uns eine weise Lehre sein, auch heute, in einem viel, viel späteren, gesunderen Zeitalter.

– Gerhard Lauck